Wenn es um das Thema Krankenversicherung in Deutschland geht, herrscht in den Köpfen der meisten Menschen ein tief verwurzelter Glaube: „Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist das sichere, solide Fundament. Die private Krankenversicherung (PKV) hingegen ist ein unkalkulierbares Risiko, das im Alter unbezahlbar wird.“
Wer heute als Gutverdiener, erfolgreicher Selbstständiger oder ambitionierter Angestellter so denkt, ignoriert die nackten Zahlen. Die Wahrheit ist: Das System der gesetzlichen Krankenkassen steht vor dem demografischen Kollaps. Und die Zeche dafür zahlen vor allem diejenigen, die viel einzahlen.
Die GKV basiert auf dem Umlageverfahren: Die Beiträge der heutigen Einzahler finanzieren die Behandlungen der heutigen Patienten. Da unsere Gesellschaft aber immer älter wird (immer mehr Leistungsempfänger) und gleichzeitig zu wenig junge Beitragszahler nachrücken, gerät das System massiv ins Wanken.
Die Politik reagiert seit Jahren mit den immer gleichen zwei Hebeln:
Es gibt eine Zahl, die kaum ein Gutverdiener auf dem Schirm hat, obwohl sie jedes Jahr wie ein gieriger Steuerzug an seinem Nettoeinkommen rüttelt: die Beitragsbemessungsgrenze (BBG).
Die BBG ist der maximale Bruttolohn, auf den Krankenkassenbeiträge erhoben werden. Alles, was du darüber hinaus verdienst, ist beitragsfrei. Das Problem? Die Politik hebt diese Grenze Jahr für Jahr drastisch an.
Für dich bedeutet das: Selbst wenn deine Krankenkasse den Beitragssatz stabil hält, zahlst du jeden Januar automatisch mehr Geld, schlicht weil die Grenze nach oben verschoben wird. Es ist eine Gehaltserhöhung für den Staat – finanziert aus deiner Tasche, ohne dass du auch nur einen einzigen Vorteil davon hast.
Rechnen wir die aktuelle Dynamik hoch, steuern wir für Gutverdiener in der GKV unaufhaltsam auf die Marke von 1.500 Euro Höchstbeitrag pro Monat (inkl. Pflegeversicherung) zu.
Der große Trugschluss: Alle Welt spricht davon, dass die PKV im Alter teurer wird. Dabei wird völlig übersehen, dass die GKV für Besserverdienende in den letzten Jahrzehnten prozentual deutlich stärker und konsequenter gestiegen ist als eine solide kalkulierte private Krankenversicherung.
Nachdem wir das Fundament der GKV zerlegt haben, stellt sich die logische Frage: Darf ich überhaupt das System wechseln? Die wichtigste Nachricht vorweg: Der Gesetzgeber hat den Zugang zur privaten Krankenversicherung bewusst an Hürden geknüpft, um das gesetzliche System vor der "Flucht" der Leistungsträger zu schützen. Wer die Kriterien erfüllt, besitzt ein echtes Privileg.
Wir unterscheiden im Wesentlichen zwischen drei Gruppen.
Als Angestellter bist du nicht automatisch frei in deiner Entscheidung. Du musst eine bestimmte Gehaltsschwelle überschreiten, die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) – auch bekannt als "Versicherungspflichtgrenze".