An diesem Punkt ist der Reflex bei fast jedem gleich, und bei technisch denkenden Menschen ist er sogar besonders stark: Wenn das Produkt gesetzlich definiert ist und die Zulagen überall gleich hoch sind, dann nehme ich einfach den günstigsten Anbieter und gut ist. Kosten runter, Rendite rauf, fertig.

Der Gedanke ist logisch, und in einem normalen Depot wäre er auch richtig. Bei der Eigenheimrente führt er dich mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein Produkt, das genau das nicht kann, wofür du es abschließt.

Ich gehe die Punkte der Reihe nach durch, vom kleinsten bis zum größten. Der letzte ist der, bei dem in den nächsten Jahren sehr viele Menschen sehr viel Geld verlieren werden.

1. Stand heute weiß noch niemand, was tatsächlich drin ist

Der Markt ist in Bewegung. Praktisch jeder größere Depotanbieter hat angekündigt, ab 2027 ein gefördertes Depot anzubieten, einige haben die Zertifizierung beantragt. Was aber bis heute fehlt, sind die entscheidenden Details: verbindliche Kosten, endgültige Fondslisten und vor allem die Frage, welche Optionen die Verträge überhaupt enthalten.

Wer sich also heute auf einen Namen festlegt, weil der in der Werbung günstig aussieht, entscheidet über ein Produkt, dessen Bedingungen noch gar nicht veröffentlicht sind.

2. Der Preisvorteil ist kleiner, als er wirkt

Der Gesetzgeber hat einen Kostendeckel eingezogen: Jeder Anbieter muss mindestens ein Standardprodukt mit maximal einem Prozent Effektivkosten pro Jahr bereitstellen, und in diesen einen Prozent ist alles enthalten, von der Depotführung über die Transaktionskosten bis zu den Fondskosten. Ursprünglich waren 1,5 Prozent geplant, der Bundestagsausschuss hat den Deckel noch einmal gesenkt.

Damit ist die Spanne, um die es überhaupt geht, überschaubar. Rechnen wir sie an unserem Beispiel durch, also 150 Euro im Monat plus 980 Euro Förderung im Jahr über zehn Jahre:

Der Unterschied liegt bei rund 1.280 Euro über zehn Jahre. Das ist kein Betrag, den man ignoriert, aber halte ihn einen Moment gegen die Zahl aus dem zweiten Kapitel: Die Förderung bringt dir im selben Zeitraum rund 9.800 Euro. Wer wegen 1.280 Euro Kostenunterschied ein Produkt wählt, in dem die Immobilienentnahme nicht funktioniert, tauscht einen kleinen sicheren Vorteil gegen dagegen es gar nicht dafür zu nutzen wofür es gedacht war.

3. Ein Standarddepot ist auf die Rente ausgelegt, nicht auf deinen Eigenheimkauf

Das ist der Punkt, den fast niemand versteht.

Das gesetzliche Standarddepot funktioniert nach einem festen Muster: zwei vorgegebene Fonds, einer chancenreich und einer defensiv, und eine automatische Umschichtung vom einen in den anderen in den Jahren vor Beginn der Auszahlungsphase. Diese Mechanik ist gut gemacht und für den klassischen Zweck genau richtig.

Nur ist dein Zweck ein anderer. Dein Stichtag ist nicht der Rentenbeginn mit 67, sondern der Eigenheimkauf mit 34, 38 oder 42 Jahren. Ein Produkt, das seine Risikosteuerung auf einen Termin dreißig Jahre nach deinem Kauf ausrichtet, steuert für dich schlicht das falsche Datum an. Es fährt volles Risiko genau in den Jahren, in denen du das Geld brauchst, und schaltet dann auf defensiv um, wenn deine Immobilie längst abbezahlt ist.

4. Und niemand fängt dich ab, wenn der Markt kippt

Daraus folgt der nächste Punkt direkt. Plattformen für Selbstentscheider machen genau das, was der Name sagt: Sie führen aus, was du anordnest. Sie fragen nicht nach, wann du kaufen willst, sie erinnern dich nicht daran, das Risiko herunterzufahren, und sie melden sich nicht, wenn dein Kauftermin näher rückt.

Rechne einmal durch, was das im schlechten Fall bedeutet. Du hast 37.600 Euro im Depot, dein Notartermin steht in vier Monaten, und die Märkte geben 30 Prozent nach: